Ein Fischer kämpft gegen Thyssen-Krupp
Seit September 2006 baut der deutsche Stahlkonzern Thyssen-Krupp in der Bucht von Sepetiba zusammen mit dem brasilianischen Bergbaukonzern Vale einen Hüttenkomplex. Dazu gehören auch ein Kraftwerk und ein Hafen, die von der Regierung Brasiliens gefördert werden. Für die Fischer in den umliegenden Dörfern hatte das dramatische Konsequenzen.
Früher fing der Berufsfischer Luis Carlos Oliveira etwa 700 Kilogramm Fische und Schalentiere, wenn er mit seinem kleinen Boot in der Bucht seiner Arbeit nachging. Heute gehen nur noch wenige und meist kranke Fische ins Netz. Verantwortlich für die Krankheiten der Tiere sind Schwermetalle, die beim Ausbaggern des Hafens aufgewirbelt wurden. Immer wieder hat Oliveira, der Sprecher einer lokalen Fischervereinigung, den Kontakt mit den Verantwortlichen bei Thyssen-Krupp gesucht, meist erfolglos.
Doch Luis Carlos Oliveira wird weiterkämpfen. Denn der Fischer ist eine Kämpfernatur. In seiner Kindheit erkrankte er an Kinderlähmung und sitzt seitdem im Rollstuhl. Trotzdem ist er jeden Morgen um fünf Uhr hinaus zum Fischen gefahren, um für seine Frau und seine zwei Kinder zu sorgen. Er war der erste registrierte körperbehinderte Fischer in Brasilien. Inzwischen erheben auch Behörden und Umweltschützer Klagen gegen Thyssen-Krupp – es geht dabei unter anderem um die illegale Rodung von Mangrovenwäldern und die Umgehung eines Baustopps, der behördlich angeordnet worden war.
Luis Carlos Oliveira erzählt, dass Vertreter des Konzerns, zwischenzeitlich zugesichert hätten, jedem Fischer eine Entschädigung von 13.000 Euro zu bezahlen. Bis heute habe jedoch keinen einen Cent gesehen. Inzwischen muss der aufsässige Fischer um sein Leben fürchten. Zunächst erhielt Oliveira anonyme Anrufe, später kamen bewaffnete Männer vor sein Haus.
Nach einer offenen Morddrohung von der Milizenmafia am 6. Februar 2009 tauchte Oliveira unter. Seit März wird er von der brasilianischen Bundespolizei geschützt. Seine wechselnden Aufenthaltsorte werden geheim gehalten. Thyssen-Krupp hat stets den Vorwurf brüsk zurückgewiesen, mit Milizionären zusammenzuarbeiten. Inzwischen ist auch die Familie des tapferen Fischers aus Sicherheitsgründen in einen anderen Ort umgezogen.
